Moin Moin ihr Lieben,
heute erzähle ich euch die Geschichte einer ganz besonderen „Visitenkarte“.
Ich war am Montag bei einem Treffen der Couchsurfing
Community.
Ihr wisst nicht was Couchsurfing ist? Couchsurfing basiert auf einer
Online-Community, bei der sich Leute anmelden und Übernachtungsmöglichkeiten
suchen bzw. anbieten können. Ob auf dem Sofa im gleichen Zimmer wie der
Gastgeber oder im Gästezimmer mit eigenem Bad, Couchsurfing bietet die unterschiedlichsten Möglichkeiten ein Bett für eine Nacht oder länger zu
finden. Und dabei ist das Ganze komplett kostenlos. Es eignet sich also perfekt
für Budget-Reisende, bietet aber viel mehr als nur einen günstigen Schlafplatz.
Durch den „Host“ kann man die Stadt von einer ganz anderen Seite kennenlernen,
Insider-Tipps über besondere Plätze bekommen, hat von Anfang an
einen Ansprechpartner, und, wenn es gut läuft, einen Freund. Gerade für
Allein-Reisende ist es also perfekt.
Abgesehen vom eigentlichen Couchsurfen gibt es aber auch noch die
Couchsurfing Meetings, die in den meisten großen Städten angeboten werden. Hier
treffen sich die ortsansässigen Couchsurfer, aber auch Reisende, die gerade in
der Stadt sind. In Stuttgart ist es einmal im Monat, aber ich habe es leider
nie geschafft hinzugehen. Hier in Hamburg trifft man sich wöchentlich, in der
Bar „Kosmos St. Liederlich“ in St. Pauli.
Am Montag habe ich meine Freundin Lea mit hingeschleppt. Für
mich war es das zweite Treffen und es hat mir beim ersten Mal so gut gefallen, dass
ich unbedingt nochmal hingehen wollte. Mal ganz abgesehen davon, dass man sein
Englisch ein wenig praktizieren kann, lernt man viele neue Leute kennen und
bringt ein bisschen Schwung ins soziale Umfeld. Und was hat man am Montagabend
schon besseres vor?
Wir bestellen uns also ein Bier und setzen uns an einen
Tisch. Nach und nach füllt sich die Kneipe (ich denke mal das ist die beste
Bezeichnung dafür), aber die Leute an unserem Tisch kennen sich schon und
führen ihre eigene Unterhaltung.
Irgendwann löst sich Gruppe ein wenig auf und
ich fasse einen Entschluss: Ich kommuniziere jetzt! Gesagt getan, ich quatsche
die drei Männer neben uns an und schon entwickelt sich ein Gespräch. Einer
kommt aus Hamburg und will seinen Master machen, einer ist für die Arbeit hergezogen
und der dritte kommt aus Schweden und hat mangels eines Schlafplatzes die
letzte Nacht draußen geschlafen. Ja, auch solche Geschichte hört man ab und zu!
Wir versuchen also Tipps zu geben, wo er noch einen Host finden kann für diese
Nacht. Schließlich ist es schon zehn Uhr abends. Irgendwann geht er, um sich
mit jemand anderem zu unterhalten. Es sitzen nur noch wir vier am Tisch. Und reden und reden. Über Gott und die Welt und über den Geiz der Schwaben.
Tatsächlich werde ich den ganzen Abend darüber aufgezogen. Und trotzdem bekomme
ich am Ende des Abends diese Visitenkarte.

Okay, wir haben alle eine bekommen,
aber Lea und ich dürfen „das auch wörtlich nehmen“. Immerhin. Und außerdem geht
es mir sowieso um die Idee. Was ist denn das bitte für eine süße Aktion? Wer
würde denn nicht lächeln, wenn er so etwas in die Hand gedrückt bekommt? Es ist
ein Sonnenschein-Moment an einem verregneten Tag. Und jedes Mal, wenn ich in
meinem Portemonnaie auf die Karte stoße, freue ich mich. Wir sollten viel öfter
unsere Zuneigung zeigen, ein bisschen Freude und Liebe weitergeben, und ja,
warum nicht auch an Leute, die man gerade erst kennengelernt hat?! Es geht mir
so gut, ich sollte also den Menschen, die nicht jeden
Tag so viel Schönes erleben, ein wenig davon abgeben. Und das ist eine tolle Möglichkeit!
Ich trage die Karte immer noch mit mir herum, aber wer weiß:
vielleicht treffe ich ja eines Tages jemanden, dem ich sie weiterreichen
möchte.
Eine digitale Karte für euch alle!
Eure Lena